Schlüsselstellen / Hürden


Auf dieser Seite wollen wir die Huerden und Schluesselstellen, welche wir bei der Realisierung unseres Projektes passieren mussten auflisten. Wir kamen immer wieder an Grenzen, an denen es nicht so einfach weiterging und wir werden sicherlich im Rahmen dieses Projektes an noch viele Punkte kommen die uns Probleme bereiten. Damit das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss moechten wir an dieser Stelle all denen, die etwas Aehnliches vor sich haben unsere Erfahrungen zukommen lassen.
Alle Anderen sind zum Weiterlesen natuerlich herzlichst eingeladen.

Der zweite Reisepass:
    1. Die Gefahr unsere Papiere unterwegs zu verlieren – sei es fremd oder selbst verschuldet – ist in unseren Augen relativ groß. Um uns große Umwege zur naechsten Botschaft, lange Bearbeitungszeiten und vor allem viel Aerger zu ersparen, ist es also recht sinnvoll gleich einen Ersatzpass dabei zu haben.

    2. Da wir uns offen halten wollen durch Israel zu reisen. Sei es auf dem Hin- oder Rueckweg. Wobei es voraussichtlich der Rueckweg werden wird. Denn moechte man in ein arabisches Land reisen und war davor mit seinem Reisepass schon einmal in Israel, kann das zu argen Komplikationen bei der Einreise fuehren. Es kann sogar soweit gehen, dass man in das arabische Land gar nicht hineingelassen wird. Die Einreise nach Israel mit einem arabischen Stempel im Pass ist definitiv nicht moeglich.
In Deutschland ist es prinzipiell nicht gestattet einen zweitenReisepass zu besitzen. Allerdings muss es ja irgendwie moeglich sein,auf dem Landweg nach Israel zu reisen. Und genau fuer diesen Fall gibtes eine Sonderregelung: Die Behoerde ist also berechtigt einen zweitenReisepass auszustellen, weiß es aber unter Umstaenden nicht. D.h. esgilt – unter Vorbringen genau dieses Argumentes – ein wenigHartnaeckigkeit an den Tag zu legen und den Herrn Sachbearbeiter etwaszu belehren, dann sollte dieses Problem eigentlich ganz gut zu loesensein. (Dass man einen „Ersatzpass“ haben moechte sollte man sichnatuerlich nicht unbedingt anmerken lassen.)

Libyen:
Generell sind die Einreise- und Aufenthaltsgenehmigungen fuer Libyen recht schwierig zu bekommen – es sei denn der Euro sitzt locker..
Von libyscher Seite ist es nicht gestattet sich ohne staatlich anerkannten Fuehrer im Land auf zu halten. Diese Fuehrer koennen sehr teuer sein. Insbesondere, wenn diese mit ihrem eigenen Auto fahren muessen.
Weiterhin muss man seinen Reisepass von staatlich anerkannter Stelle ins Arabische uebersetzen lassen. Das kostet natuerlich Zeit und Geld (60€ Bearbeitungsgebühr und einen Tag Bearbeitungsaufwand zzgl. Postweg hin und zurück nach Hamburg). Zu all dem kommt natuerlich noch das ganz normale Visum (Kann man bei der libyschen Botschaft in Berlin erstehen (Passuebersetzung notwendig) oder aber es sich von der Reiseagentur direkt vor Ort organisieren lassen).
Als Deutscher erhaelt man ein solches Paket nur von speziellen Reiseagenturen. Ohne Agentur ist eine Einreise schlicht undenkbar. Beispielsweise haben wir von einem libysch-deutschen Ehepaar gehoert, welches nicht ohne Fuehrer einreisen durfte.
Da man es sich auf dem Fahrrad nicht erlauben kann einen Fuehrer, der einem zwei Wochen lang mit dem Auto hinterher faehrt, mit taeglich 100€ zu vergueten, waren wir ziemlich lange auf der Suche nach Spezialangeboten.
Die nun folgenden Erklärung zur Libyendurchreise sind unsere persoehnlichen Erfahrungen. Ob dieses Szenario jemals wieder reproduzierbar ist wollen wir nicht behaupten.
Mit den Informationen und Ratschlägen der Firma „Saro–Expeditionen“ aus Rosenheim sowie „Rolling-Mia-Tours“ (danach googeln lohnt sich) haben wir endlich erkannt, dass es fuer uns nur eine finanzierbare Libyenvariante geben wird: Wir ordern einen Fuehrer samt Auto, der uns inklusive der Fahrraeder einlaed und schnurstracks innerhalb von drei tagen ueber knapp 2000km durch Libyen hindurch fährt.
Zunächst haben wir es mit der Reiseagentur Saritravel (www.sarilibyatravel.com) aus Libyen versucht (ueber Skype Telefonie kann man es sich uebrigens leisten gemuetlich laengere Zeit von Deutschland auf libysche Handies zu telefonieren. Das ist meist wesentlich aufschlussreicher und schneller als ermuedende Email Kontakte). Das Angebot umfasste die oben beschriebenen Leistungen und sollte all in all 420€ kosten, wobei dies bereits inkl. der je 60€ fuer die Visa war.
Leider ist der Deal mit Sari-Travel am Tag der Einreise geplatzt. Verantwortlich dafür sollte eine neue libysche Gesetzesregelung sein, welche es Touristengruppen von weniger als fuenf Personen schlicht verbietet das Land zu betreten. Ob es diese Regelung nun wirklich gab, oder ob es nur vorgeschobener Grund war koennen wir nicht mit Sicherheit sagen. Verschiedene Positionen berichteten hierzu Verschiedenes. Von offizieller Seite, also der deutschen Botschaft, konnte uns dieses Gesetz allerdings nicht bestaetigt werden.
Fakt ist aber, und das ist so auch offiziell bestätigt, dass sich die libysche Regierung das Recht herausnimmt die Einreiseregelungen fuer Touristen jederzeit und unangekuendigt teilweise gravierend ändern zu koennen und von diesem Recht auch Gebrauch macht.
Schlussendlich war es die Agentur Saro-Expeditionen aus Rosenheim, die uns zu unserer Transitpassage geholfen hat. Wieso es hier, nach einer Woche Wartezeit im Grenzgebiet, ploetzlich funktioniert hat ist uns bis heute unklar. Die Organisation des Fuehrers und der Visa war fuer Herrn Kechicheb aus Rosenheim sogar innerhalb von 24 Stunden moeglich. Allerdings hat das Vergnuegen dann auch empfindlich mehr, naemlich 600€ von Grenze zu Grenze gekostet. Zuzueglich mussten wir noch fuer unsere Kost und Logie, sowie fuer die des Fuehrers in billigen Hotels aufkommen. Das ist allerdings auch zu vertreten, da der arme Mann fuer die knapp 80 Stunden Arbeit und ca. 3200 Autokilometer gerade einmal 90€ von den bezahlten 600€ bekommen hat. Der Rest ging an die Agentur.
Zusammenfassend laesst sich also sagen:
Herr Kechicheb von Saro-Expeditionen ist unser Mann der Wahl und wenn er Geld riecht auch unglaublich schnell und produktiv.
Die deutsche Botschaft in Tripolis hilft gerne weiter, und bietet einen sehr sympatischen Kontakt, ist allerdings sehr handlungseingesschraenkt.
Die libyschen Einreisebestimmungen koennen sich stuendlich aendern und sind dringendst immer wieder zu ueberpruefen, moechte man nach Libyen einreisen.
Viel Wartezeit und die Bereitschaft staendig unerwartetes zu erleben sind mit zu bringen.

Das Mittelmeer und wie man rueber kommt:
Insbesondere wegen der Schwierigkeiten mit Libyen haben wir uns die Frage gestellt an welchen Stellen man alternativ ueber das Mittelmeer reisen kann. Es ist ernuechternd. Zu Zeiten der Billigfluege und vor allem der staendig praesenten Terrorgefahr, fahren kaum noch Faehren den Osten des afrikanischen Kontinents an. Um genau zu sein gibt es nur einen Faehrhafen an der östlichen Mittelmeerküste Afrikas, naemlich den von Tunis. Aegypten ist mit regulaerem Faehrbetrieb nicht zu erreichen. Ganz zu schweigen von Libyen (Wir haben zwar davon gehört, dass man Tripolis mit der Faehre anfahren kann, gefunden haben wir hierzu allerdings nichts).
Es werden teilweise Passagen auf Cargo Schiffe nach Aegypten angeboten. Allerdings haben wir gehoert, dass die Behoerden den Passagieren verbieten von Bord zu gehen. Die Alternative hat sich damit also erledigt.
Natuerlich kann man Israel anfahren (mit einer Frachtschiffpassage von Montefalcone: Kostenpunkt 950,- Euro fuer zwei Personen mit Rad, ca. 1 Woche Ueberfahrt. Oder natuerlich komplett ueber den Landweg) und dann weiter nach Afrika. Das haengt dann halt etwas vom Zeitbudget ab.
Alles in Allem nicht sehr viele Moeglichkeiten.
Wir haben uns schlussendlich fuer die Ueberfahrt von Palermo (Italien) nach Tunis (Tunesien) entschieden. Diese fährt alle paar Tage, brauch knappe 12 Stunden für die Ueberfahrt und kostet 50 EUR pro Person.

Beschaffung von Foerdermitteln:
Prinzipiell gibt es zwei Wege Foerdermittel fuer ein Projekt wie dieses zu erlangen.
    1. Man ist ein Verein, am besten ein gemeinnuetziger, oder man schließt sich einer solchen Struktur an. In diesem Fall kann man ganz offiziell Foerderprogramme von diversen karitativen Einrichtungen nutzen. Zum Beispiel „Die Gesellschafter“ der „Aktion Mensch“. Hier hat man die Moeglichkeit Foerdersummen bis zu 4000€ zu beziehen. Die Anforderungen zu erfuellen, und der Philosophie der „Gesellschafter“ gerecht zu werden ist nach unserer Einschaetzung nicht sonderlich schwer – solange man ueber eine offiziell Vereinsstruktur abrechnen kann.

    2. Man gehoert keinem Verein an und moechte ein Projekt von privat organisieren. Dieser Weg ist natuerlich wesentlich schwieriger. Wichtig ist vor allem sich moeglichst professionell und vorbereitet zu praesentieren. Gut ausgearbeitete Schriftstuecke, wie ein Exposé oder Paper schinden ungemein Eindruck und vermitteln Ernsthaftigkeit bereits vor der Lektuere desselben.
Der direkte Kontakt ist ebenfalls sehr sinnvoll. Zwar sind die meisten Adressaten primaer an einer schriftlichen Vorinformation via Email interessiert – stellt man allerdings rechtzeitig einen persoenlichen Kontakt her verleit das dem Anliegen wesentlich mehr Nachdruck. Es empfiehlt sich also erst eine Email Anfrage los zu werden und dann zeitnah einen persoenlichen Bezug herzustellen. Foerderer koennen aus den verschiedensten Bereichen kommen. Engagement fuer gemeinnuetzige Projekte machen sich fuer jedwedes Unternehmen gut. Wichtig ist, dass von produzierenden Unternehmen lieber Sach-, als Geldspenden gegeben werden. Man sollte sich also seine Ausruestung erst dann kaufen, wenn man sicher ist, dass es kein Unternehmen gibt, welches die eigenen Interessen unterstuetzen will; muehsam aber erfolgreich.
Weiterhin laesst sich sagen, dass in diesem Geschaeft die Quantitaet mehr als die Qualitaet zaehlt. Wir mussten ganz schoen arbeiten und unsern Spruch ganz schoen oft aufsagen, bis wir endlich Unternehmen finden konnten, welche Interesse an uns fanden und bereit waren uns zu foerdern. Abermals Danke an dieser Stelle. So schwierig die Suche nach Foerdermittel auch ist. Es liegt nicht daran, dass zu wenig Geld vorhanden ist, bzw. dass zu wenig Geld in gemeinnuetzige Voerderprogramme investiert werde will. Vielmehr ist es die Schwierigkeit diese Quellen zu finden und die meist unnoetig komplizierten Bedingungen zu erfuellen um dieses empfangen zu duerfen. Wo wir bereits wieder bei einem sehr großen Problem der Entwicklungszusammenarbeit waeren...

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